Montag, 12. Mai 2014

Chancengerechtigkeit gegen Kinderarmut - Aufwachsen im Wohlergehen - bei leeren Kassen?

Bericht und Gedanken zur
Fachtagung des Regionalverband Saarbrücken und der AWO Saarland

Aufwachsen im Wohlergehen - bei leeren Kassen?

Chancengerechtigkeit gegen Kinderarmut



Am 05. Mai 2014 fand in der VHS Saarbrücken diese auch für den VAMV interessante Veranstaltung statt, weil sie Chancengerechtigkeit in Zusammenhang mit Kinderarmut zum Thema hatte. Seit Jahren fordert unser Verband Maßnahmen gegen Kinderarmut , um die Chancen für Kinder einkommensschwacher Familien gerechter zu machen und hat dazu schon vor Jahren mögliche Lösungen erarbeitet und Forderungen an die Politik aufgestellt.
Nach Begrüßung durch unseren Regionalverbandspräsident Peter Gillo und die AWO Landesgeschäftsführerin Ines Reimann-Matheis schilderte zunächst die stellvertretende Leiterin des Jugendamtes Erfahrungen aus der Arbeit Ihrer Mitarbeitenden bei der Betreuung von Familien und Kindern, welch massiven Schwierigkeiten „arme“ Familien zu bewältigen haben, anschließend referierte Prof. Dr. Sabine Andresen , Vizepräsidentin des Deutschen Kinderschutzbundes und Mitglied der Sachverständigenkommission der Bundesregierung für den 14. Kinder-und Jugendbericht. Ihr Vortrag hatte zum Thema die ethischen und politischen Aspekte kindlichen Wohlbefindens .Prof. Ute Maier-Gräwe , dem VAMV wohl bekannt und Mitglied in der Expertenkommission der Bertelsmann-Stiftung, war Mitglied im Kompetenzteam „Familienbezogene Leistungen“ bei Familienministerin Dr. Ursula von der Leyen, im Saarland in der Enqete-Kommission „Demographischer Wandel“ des Landtages, außerdem befasste sie sich in Veröffentlichungen zu Kosten und Nutzen von frühen Hilfen und Armutsprävention , was sie auch in Ihrem Referat auf dieser Veranstaltung ausführlich angesprochen hat. Vor allen Dingen erläuterte sie, dass Maßnahmen zur Armutsprävention, seien sie noch so kostenintensiv, eine lohnende Investition in unsere Zukunft darstellt, weil sie spätere zwingend notwendige wesentlich teurere Maßnahmen vermeiden helfen. Bemerkenswert der Hinweis, dass Ursachen von Kinderarmut und Chancenungleichheit durch eingehende Forschung seit Jahren bekannt sind, geeignete Maßnahmen und Handlungskonzepte entwickelt wurden, sowie daraus resultierende Handlungsempfehlungen seit langem abgegeben wurden und trotzdem bis heute keine wesentlichen Veränderungen mangels Umsetzung erfolgt sind. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam Prof. Ronald Lutz, dem VAMV ebenfalls bekannt . Er zeigte Wege aus der Kinderarmut auf. In seinen Forschungen und Untersuchungen befasste er sich lange Zeit mit Sozialen Problemlagen, sozialer Ungleichheit und sozialer Benachteiligung. Ausgrenzung, Armut und Reichtum. Er sieht die Lösung, wie auch wir seit Jahren fordern, langfristig nur durch eine gezielte und gerechte Familienförderung , die Kinder von Erwerbslosen, Geringverdienern oder Hartz IV Beziehern gleichermaßen fördert und Ungerechtigkeiten des gegenwärtigen Systems beseitigt. Insbesondere die Einführung einer Kindergrundsicherung in Existenz sichernder Höhe für alle Kinder , Lohn und Steuergerechtigkeit (Veränderung des Steuersystems) , Zugang zu Bildungsgütern für alle Kinder , um einen Teil zu nennen , sind für Ihn bekannte und nachweislich geeignete Handlungsempfehlungen der Chancenungleichheit und damit Familien und Kinderarmut entgegenzuwirken. Die Politik müsse es aber endlich beherzt umsetzen.

Die AWO Saarland als Hauptinitiator dieser Veranstaltung fordert mittelfristig, wie wir als VAMV seit Jahren, die Einführung einer Kindergrundsicherung, eine gezielte und eine gerechtere Familienförderung.
Bis zur Einführung und als Übergangslösung , um wenigstens eine schrittweise Verbesserung zu erreichen fordert die AWO u.a. eine Anhebung der Kinderregelsätze bei SGB II Leistungen, Entbürokratisierung und Verbesserung des Bildung- und Teilhabepaketes (BUT), Anhebung und Vereinfachung des Kinderzuschlages, Maßnahme gegen Erwerbslosigkeit und prekäre Beschäftigung, stärkeres Engagement zugunsten alleinerziehender Mütter und Väter im Hinblick auf Ausbildung, Beschäftigung und Kinderbetreuung sowie eine gezielte Förderung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen am Übergang Schule/Ausbildung/Beruf.
Neben dem quantitativen Ausbau des vorschulischen Betreuungsangebotes sollten Investitionen in die Qualitätssicherung und –Verbesserung von Kitas statt Standardabsenkungen erfolgen und die Kitas beitragsfrei sein, um den Zugang zu Bildung für alle Kinder ab drei Jahren zu sichern. Das Angebot einer kostenfreien Nachmittagsbetreuung bis zur flächendeckenden Einführung von gebundenen Ganztagsschulen muss zur Verfügung gestellt werden.

Dies sind Verbesserungen und Maßnahmen, die auch wir als Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) schon lange überwiegend in gleicher Form fordern und früheren Presseerklärungen, Dokumentationen, sowie auch aktuellen Kampagnen und Initiativen des VAMV zu entnehmen sind.

Nach dieser Veranstaltung stellte sich mir die Frage mal wieder umso mehr:
Wenn im Besonderen Betroffene , Träger der freien Wohlfahrtspflege, familienpolitischen Verbände und Kinderschutzorganisationen sowie  verschiedene Stiftungen als auch Beratende und Wissenschaftler zu etwa gleichen Lösungs- und Handlungvorschlägen dringend raten, um mehr Chancengerechtigkeit zu erreichen sowie Kinderarmut einzudämmen, warum ist da noch so wenig umgesetzt ?

Hat die Politik nicht verstanden? Fehlt der gemeinsame Wille zur Umsetzung? Fehlt die Einsicht dringlich zu handeln?

Angesicht des Auseinanderdriftens unserer Gesellschaft und der damit verbundenen Schwierigkeiten und vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und damit verbundenen Ruf nach der Verantwortung der nachwachsenden und aufwachsenden Generation (en) können wir es uns unter keinen Umständen leisten die Chance zu verpassen dieser Generation ohne Ausnahme die Basis dafür zu geben stark genug zu sein , um die zukünftigen massiven Schwierigkeiten und gesellschaftlichen Aufgaben zu meistern. Von uns allen muss es getragen werden, aber die Politik muss die Weichen stellen, dass es umgesetzt werden kann.

Bleibt zu fordern und zu wünschen, dass wir als Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) mit oben genannte Institutionen aber auch mit Allen, die dies erkannt haben, gemeinsam mit Nachdruck und Ausdauer die Politik auffordern zu handeln und die überzeugen, die dies umzusetzen noch nicht als dringende Aufgabe sehen.


  

Jürgen Pabst
(Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter e.V.)

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