Donnerstag, 8. Mai 2014

Mit Prävention verstärkt gegen Kinderarmut vorgehen

Experten informierten auf Fachtagung von AWO und Regionalverband

Regionalverbandsdirektor Peter Gillo und Ines Reimann-Matheis, Landesgeschäftsführerin der AWO Saarland

Mit 180 Teilnehmern war der große Saal im vhs-Zentrum am
Schlossplatz bis zum letzten Platz gefüllt. Der Regionalverband
Saarbrücken und der AWO Landesverband Saarland hatten zur
Fachtagung „Aufwachsen im Wohlergehen - bei leeren Kassen?“
eingeladen. Namhafte Experten befassten sich dort beispielsweise
damit, wie die Chancengerechtigkeit von Kindern verbessert und vor
allem wie mehr gegen Kinderarmut getan werden kann.

Nahezu jedes fünfte Kind in Deutschland lebt in Armut oder ist von Armut bedroht. Der Regionalverband Saarbrücken ist davon überdurchschnittlich stark betroffen: Dort gilt das für
jedes vierte Kind. Wie Regionalverbandsdirektor Peter Gillo zur Eröffnung der Tagung sagte,
 könne das Jugendamt die vorhandene Armut nicht aus der Welt schaffen, aber gemeinsam
mit Partnern könne man zumindest den Auswirkungen von Kinderarmut begegnen.

Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe von der Universität Gießen stellte in ihrem Vortrag heraus, dass
die Soziale Arbeit im Jugendhilfebereich nicht nur Geld koste, sondern dass gerade die
frühzeitige, präventive Hilfe sowohl einen gesellschaftlichen als auch einen finanziellen
Nutzen bringe. Je früher Risiken erkannt und Benachteiligungen aufgefangen würden,
desto eher könnten Gefährdungen des Kindeswohls, deren Folgen und dadurch entstehende gesellschaftliche Folgekosten vermindert werden.

Genau diesen Anspruch setzt das Präventionsprogramm „Frühe Hilfen“ um, das das
Jugendamt und Gesundheitsamt des Regionalverbandes gemeinsam durchführen.
Im Übergang zur Elternschaft sind Familien Hilfeangeboten besonders offen gegenüber
eingestellt. Speziell ausgebildete Familienhebammen bieten hier Hilfen an und können so
bei Problemlagen helfen, bevor diese sich verfestigen. In vielen Fällen bleibt so eine teure
und schwierige Behandlung der Folgen – im Schlimmsten Falle einer Gefährdung des
Kindeswohls – aus.

Wichtig ist, so Peter Gillo, eine lückenlose Präventionskette anzubieten. Dazu gehören neben
 den Frühen Hilfen zum Beispiel auch die vier Kinderhäuser im Regionalverband, die
Förderung der Gemeinwesenprojekte in den Stadtteilen, der Ausbau der
Kindertagesbetreuung und der Ganztagsschulen, die Schulsozialarbeit bis hin zu den 16 Jugendzentren. Peter Gillo weiter: „Nachhaltige Jugendhilfe bedeutet vor allem präventive
Jugendhilfe. Wir müssen früh ansetzen, um Wirksamkeit entfalten zu können. Deshalb
braucht Jugendhilfe immer auch einen Freiraum für Prävention, trotz der großen Summen,
die in die reaktiven Hilfen nach wie vor fließen müssen.“


Regionalverband Saarbrücken
erstellt am 08.05.2014
     

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